Über 100 Jahre Scheffer

Bild: Fritz Scheffer, Sen.

Fritz Scheffer Senior kam aus Felsberg bei Kassel nach Stadthagen. Eine kaufmännische Lehre hatte er zuhause absolviert und fand hier eine Anstellung als Volontär bei der Firma C. Timme, Eisenwaren. Er gründete zunächst 1911, nach der Petition des Fürsten ein Geschäft für Farben in der Krummen Straße, Stadthagen. Im Alter von 26 Jahren erwarb er zusätzlich das Haus nebst Grundstück „Am Markt 16“ in Stadthagen. Zur gleichen Zeit heiratete er 1911 seine Frau Bertha, die aus Nahlhof bei Rinteln stammte. In den folgenden Jahren wurden fünf Kinder geboren, drei Söhne und zwei Töchter. Gewohnt haben Sie weiterhin bis 1919 in der Krummen Straße. Im Haus „Am Markt 16“ musste erst eine Wohnung hergerichtet werden.

Bild: Am Markt 16

Sein Bruder Carl, der sich mit den Büchern beschäftigte, war ihm gefolgt. Er war als Buchhalter in der Firma tätig. Natürlich hat Carl Scheffer im 1. Weltkrieg gedient. Währenddessen wurde die Firma vom Bruder und seiner Ehefrau Bertha weitergeführt. Auch wurde er im 2. Weltkrieg eingezogen. Selbst die Söhne mussten in den Krieg. Der jüngste von Ihnen kam nicht wieder. Der älteste orientierte sich anders und stieg in Hamburg in die Fotobranche ein.

Bild: Werner Scheffer

Einer der Söhne, Werner Scheffer, hatte bereits eine Ausbildung in Verden in der Farbenbranche absolviert und arbeitete später im Geschäft seines Vaters. Nach dem 2. Weltkrieg 1945, führte er das Geschäft trotz Kriegsverletzung weiter. Ende des Jahres 1948 heiratete er seine Frau Ilse, geb. Harmening. Es entstanden drei Kinder aus dieser Ehe: Jutta, Fritz jun. und Carla Scheffer. 1950 starb Fritz Scheffer senior, der Gründer der Firma. Nach dem Krieg ging es wirtschaftlich allmählich aufwärts. So wurde auch das Warenangebot größer. Auch veränderten sich die Räume und das Gebäude. Der Laden wurde nach hinten vergrößert, das Büro wurde dazu genommen, dieses wurde nach oben verlegt. Im Laden gab es eine Empore, dort lagerten die Tapeten.

Bild: Großes Lagerhaus

Hinter dem Haus gab es mehrere Lagerräume. Von der Engen Straße war ein großes Tor für Lieferanten und Kunden, um Ware zu liefern und abzuholen.Im kleinen Lager waren zu Beginn Schweine für die Selbstversorgung untergebracht, später diente es als Glaslager. Für die Kunden wurden hier Fensterscheiben zugeschnitten. Diese wurden mit Fensterkitt eingesetzt, der selbst hergestellt wurde (Leimölkitt). In der außerhalb des Hauses liegenden Waschküche wurde ausserdem Knochenseife (Kernseife) gekocht.

Bild: Hinterhof Am Markt 16

Im großen Lagerhaus waren Blechfässer von ca. 200 Litern gelagert mit technischen Flüssigkeiten wie Petroleum, Firnisöl, Terpentinöl, Benzin, Karbolineum, Schmierstoffe und anderem mehr. Diese Flüssigkeiten dienten zur Herstellung von Farben und Lacken. Trockenfarben wurden in Papiersäcken geliefert, die in Holzfässern gelagert wurden. Außerdem lagerte hierKreide, Kalk, Mennige und Gips. Wegen dieser Vielzahl Materialien wurde aus dem Einzelhandelsgeschäft zusätzlich ein Großhandel. Damit hatten die Malermeister in Stadt und Land eine gute Einkaufsquelle. Mit dem eigenen Lieferwagen wurden die Malerbetriebe im großen Umkreis von Schaumburg Lippe beliefert.

Bild: Am Markt 16

Im Warenangebot gab es Handwalzen, denn als die Tapetenproduktion noch nicht so groß war, wurden die Wände mit farbiger Flüssigkeit gewalzt, dadurch entstand ein Muster. Bei Neubauten wurde dieses auch so gemacht, denn hier gab es noch Setzrisse in den Wänden. Es gab mehrere Angestellte. Bruder Carl verließ in den späten 50er Jahren die Firma, denn er heiratete mit 70 Jahren das erste Mal und zog nach Hannover. Die Geschäftssituation war recht gut, es gab nicht sehr viele Anbieter in der Branche. Anfang 1960 traf Werner Scheffer eine schwere Krankheit, die ihn sehr einschränkte. So war die Herausforderung für seine Frau Ilse sehr groß, die Familie und das Geschäft unter einen Hut zu bringen.

Bild: Tapeten-Musterbuch Erstellung

Das Warenangebot wurde ständig erweitert. Unter anderem gab es diverses Wachstuch auf Rollen für den Tisch. Fertige Farben für den Hobbymaler, Leinwände, Plakafarben und Pinsel für diverse Malereien gab es auch schon länger. Außerdem gab es Fußbodenbeläge wie Linoleum und Stragula – an Teppichboden und Gardinen war zu dieser Zeit noch nicht zu denken. Ende 1976 trat Sohn Fritz in die Firma ein. Zu dieser Zeit waren nun Teppichböden und Gardinen in das Sortiment aufgenommen worden. Gardinen konnten zu dieser Zeit nur anhand von Musterschals bestellt werden. Genäht wurden die Gardinen durch eine Privatperson zuhause im näheren Umkreis.

Bild: Fritz Scheffer

Fritz Scheffer übernahm im Jahre 1985 die Firma und mietete im gleichen Jahr das Gebäude an der Enzerstraße 40-44 an. Zeitgleich wurde das Unternehmen der Alldecor-Gruppe angeschlossen und um weitere Waren im Sortiment erweitert. Bereits 1981 wurde der Sohn Christian Scheffer, aus der Ehe mit Frau Gabriele Scheffer, geboren. 1993 investierte Fritz Scheffer in das Geschäft und kaufte das Grundstück an der Enzerstraße von der Firma Strebost. Durch den Umzug an die Enzerstraße und den Anschluß an die Alldecor-Gruppe war es möglich, das Warenangebot noch weiter auszubauen. Enzerstr. 40 – 44 Eine Verkaufsfläche von 1.675m² war an der Enzerstraße nun vorhanden. Eine große Abteilung für Gardinen und Sonnenschutz wurde eingerichtet, außerdem waren Bodenbeläge in großer Vielfalt im Verkauf.

Bild: Enzerstraße 40 – 44

Werner Scheffer starb im Jahre 1996 an den Folgen seiner schweren Krankheit. 1998 entschied Fritz Scheffer, sich an die Hammer Heimtex-Fachmärkte als Franchiser anzuschliessen. Die bedeutete noch mehr Auswahl im Sortiment, andere Konditionen mit Lieferanten und Herstellern und somit andere Möglichkeiten die Vermarktung. Zu dieser Zeit waren bereits 21 Mitarbeiter beschäftigt. Der Traum eines Neubaus an der Jahnstraße verwirklichte Fritz Scheffer im Jahre 2001 und begann hier den Spatenstich für den heute ansässigen Standort. Während der Bauarbeiten im Februar 2002 erlitt Fritz Scheffer jedoch einen schweren Schlaganfall und konnte das Geschäft und die Bauaufsicht nicht weiter führen.

Bild: Christian Scheffer

Hier wurde sein Sohn Christian mit nur 21 Jahren und noch am Anfang seiner Ausbildung, von seiner Ausbildungsstelle im Großhandel freigestellt und mit den neuen Aufgaben im Betrieb seines Vaters ins kalte Wasser geworfen. Er beaufsichtigte in seinen jungen Jahren die Bauarbeiten, den Umzug aus den alten in die neuen Geschäftsräumen und arbeitete sich in die finanziellen, personellen und betriebswirtschaftlichen Abläufe im Geschäft erfolgreich ein. Der neue Markt an der Jahnstraße 28 eröffnete im Juni 2002 mit 2.500 m² Verkaufsfläche und einer Sortimentserweiterung um Matratzen, Bettwaren und Badmöbel.

Bild: Jahnstraße 28

Christian Scheffer beschäftigt heute 37 Mitarbeiter im Unternehmen. Hierzu zählen zur Zeit 6 Auszubildende, Noch immer stehen die Wünsche und Anliegen der Kunden im Fokus des Unternehmens. Christian Scheffer und seine Frau Linda haben im Jahre 2011 Tochter Laura, sowie im Jahre 2015 Tochter Lena zur Welt gebracht. Im Jahre 2018 wurde Sohn Max gesund und munter geboren. Die 5. Generation des Unternehmens, die hoffentlich in vielen Jahren das Unternehmen weiter führen wird.

Bild: Familie Scheffer – Anfang 2017

Die über 100 jährige Geschichte des Farbengeschäftes Scheffer: 100 Jahre in einer Familie. Vom Urgroßvater auf den Urenkel, von Generation zu Generation vererbt. Aus kleinsten Anfängen hervorgegangen, fortgeführt und ausgebaut zu einem modernen Geschäft.